Zeitreise in die Normandie (2)

Gerne hätten wir auf dem großen Parkplatz übernachtet, aber der wird von den Angestellten abends mit einem Tor verschlossen. Inzwischen ging ein Regenschauer herunter. Da wir anderntags als erstes den nächsten Bunker (oder flämisch Blockhaus) in Éperlecques besuchen wollten, schlug ich vor: „Brechen wir doch dahin auf. Vielleicht ist der Parkplatz dort besser geeignet.“

Es hätte auch einen Campingplatz gegeben, aber wir stellten uns gleich in die Nähe des Eingangs zum Freilichtmuseum und verbrachten eine ruhige, völlig unbeleuchtete Nacht. Um zehn öffneten die Tore bei sonnigem Wetter. Mitten im Wald gelegen, sollte auch diese Bunkeranlage mit dem Decknamen „Kraftwerk Nord West“ (KNW) zur Montage und zum Abschuss von V2-Raketen dienen. In den letzten Dezembertagen 1942 hatten Offiziere und Ingenieure der Heeresversuchsanstalt Peenemünde mögliche Standorte geprüft und sich für den Wald bei Éperlecques entschieden. Die mit dem Bau beauftragte Organisation Todt brach den Bau ab, da die Briten über das Vorhaben und seinen Zweck informiert waren. Sie führten am 27. August und am 7. September 1943 erste Bombenangriffe auf den Standort aus, am 19. Juni 1944 bei der Operation Crossbow benutzten sie Tallboy-Bomben (ein Krater mit 42 m Dm ist zu sehen). Einzig die Anlage zur Herstellung von Flüssigsauerstoff mit fünf Maschinen wurde weiter ausgebaut und in Betrieb genommen. Selbst die Dimension der Trümmer macht Gänsehaut.

Jetzt brauchten wir erst mal Erholung vom Kapitel Krieg. Nach einem Mittagschläfchen brachen wir nach Frankreich auf. Zunächst suchten wir hinter Abbeville an der Landstraße vergeblich ein Plätzchen. Am Abzweig erstaunte uns die Chapelle de l’Ecce Homo im Weiler Longuemort in Tours-en-Vimeu. Früher fanden hier Pilgerfahrten statt, informierte Wikipedia. Gläubige beteten um Hilfe für Kinder, die spät laufen lernten, oder gegen Fieber. Die an der Gittertür hinterlassenen Kleidungsstücke und Stoffe der Kranken sind Votivgaben, Fürbitte oder Opfer nach erfolgter Erhörung. 

Wallfahrtskapelle

 Vor dem Weiler Tours-en-Vimeu machte das Hinweisschild für einen Wohnmobilstellplatz Hoffnung. Leider blieb es der einzige, im Ort selber war kein Schild mehr zu sehen. Aus Jux und Dollerei wendet man das Gespann nicht mal eben. Deshalb entschlossen wir uns, einen ausreichend großen normalen Parkplatz am Ortsausgang neben einem Familienzentrum zu nutzen, den uns niemand streitig machte. Da wir weder Stromanschluss, noch Wasser oder Entsorgung brauchen, achten wir nur darauf, niemanden zu behindern.

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