Den weiteren Verlauf planten wir um. Die Halbinsel mit Cherbourg wurde gestrichen, aber den Mont Saint-Michel wollten wir beibehalten. So war unser nordwestlichster Punkt die Batterie von Crisbecq bei Saint-Marcouf-de-L’Isle. Der Bau der Batterie Crisbecq begann Mitte 1941 durch die Organisation Todt. Anfangs waren die Arbeiter russische und polnische Kriegsgefangene. Ende 1943 wurde die Belegschaft durch angeheuerte Arbeiter aus Frankreich verstärkt. Die Bewaffnung der Batterie umfasste drei 210-mm-Marinegeschütze, von denen nur zwei durch große Betonkasematten geschützt waren, einem Gefechtsstand, Unterkünften für Personal und Munition sowie mehreren Maschinengewehrstellungen. Die Anlage wies zudem einige natürliche Verteidigungsanlagen auf. Ein Angriff auf die Festung war nur über einen schmalen Pfad möglich. Im Westen erstreckten sich offene Felder, während die Ostseite aus Sümpfen oder steilen Hängen bestand. Abgesehen von den Hafenbatterien Cherbourg und Le Havre war sie mit einer Reichweite von über 30 km die stärkste Batterie in der Seinebucht.



Mit unserem späteren Wissen hätten wir nicht so weit zu fahren brauchen um Ähnliches zu sehen. Aber hinterher ist man immer schlauer. Interessant war es schon, durch die Bunkeranlagen zu kriechen, die den Utah Beach sichern sollten. Die Einrichtung erinnerte an die Bunker in Ijmuiden. Die Küstenstraße nach Sainte-Mère-Eglise war dagegen eintönig flach, aber gut geeignet als Plage du Débarquement. Das Fallschirmspringermuseum schenkten wir uns und hielten lieber am deutschen Soldatenfriedhof.
In La Cambe liegen seit 1961 nur diejenigen 21.000 Soldaten, die während der Landung in der Normandie zwischen dem 6.Juni und dem 20.August 1944 gefallen sind, manchmal vier übereinander (3 nicht Identifizierte unter einem benannten). Wo man auch hinschaute, oft zwischen 18 bis 25 Jahre alt, der jüngste erst sechzehn. Einfach verheizt und bestenfalls verblendet durch die Naziideologie. Im zentralen Hügel ruhen 207 unbekannte und 89 identifizierte Tote. Der Basalt für das Kreuz stammt aus der Eifel. Nur auf einem Grab stand eine einsame Grabkerze. Das Grauen wird plastischer als in jedem Geschichtsbuch.






Auf dem Küstensträßchen gelangten wir weiter zum Pointe du Hoc an die Steilküste. Der Parkplatz wimmelte von Besuchern mit Hunden, Fahrrädern oder zu Fuß. Von Bunkerstellungen hatten wir mehr als genug, wir liefen lieber einen asphaltierten Weg nach Westen. Hier reiften gerade erst die Brombeeren, deren Reste zuhause längst schimmeln. Eine nette Französin auf Hundespaziergang gab uns Tipps, von wo aus wir trotz Gehbehinderung einen ungefährlichen Blick auf die Felsen werfen könnten. Da sie schneller ins nächste Dorf lief als wir, winkte und deutete sie noch aus der Ferne. Und wirklich! Sie hatte Recht. Die Aussicht war grandios. Mit den Rädern hätte ich gern noch von Osten aus auf die Falaises geschaut, aber man kann nicht alles haben.
Auf der Route nach Port-en-Bessin fielen uns neben etlichen Stellplätzen auch große Gehöfte auf, eines verfügte über einen Stellplatz (Ferme de la Rouge Fosse), in einem anderen mit verfallendem Nebengebäude hätte man eine Cidreverkostung (Chateau-d’Englesqueville-la-Percée) wahrnehmen können. Das Herrenhaus Saint-Pierre-du-Mont aus dem 16.Jh. bietet auch stilechte Zimmer zu mieten an. Die Häuser sind aus dem lokalen grauen Granit gebaut.

Ungeachtet der Tatsache, dass der berühmte, 70 Meter lange gestickte Teppich mit der Schlacht von Hastings ausgerechnet vor ein paar Tagen bis auf Weiteres nach England ausgeliehen wurde, lockte am Samstag, dem 19.September, Bayeux (ca.12.000 Einwohner) zu einem Bummel durch die vom Krieg verschonte Stadt. Das würde weniger anstrengend. Vom Parkplatz bis zur Kathedrale war es nicht weit. Teilweise noch im Privatbesitz befinden sich etliche Palais aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Pfarrkirchen an den Stadtausfahrten und besonders das Gerberviertel.

Als wir gesättigt und erholt den Hügel hinabschlenderten, hielt gerade ein Sightseeingbähnchen auf der Brücke. Ohne lange zu fackeln, hievten wir uns hinein und genossen 45 Minuten Erklärungen rund durch die Stadt. Beim ältesten Fachwerkhaus der Stadt fanden wir endlich auch mal eine richtige Konditorei mit einer Kuchenauswahl.









Etliche alte Stadthäuser, offensichtlich vom selben Architekten, fielen uns auf. Infos dazu kennt das Internet nicht, vor Ort standen allerdings Tafeln mit Detailerklärungen. Die 1077 eingeweihte Kathedrale war besonders wegen der romanisch anmutenden Plastiken in den Zwickeln der Bögen und der bemalten Krypta bemerkenswert.
