Frisch gestärkt, gestiefelt und gespornt wollten wir am 11. November mit dem Linienbus in die Innenstadt nach Porto, das wir am Abend erreicht hatten. Der Campingplatz bietet viel Platz und liegt vom Strand nur eine Straßenbreite entfernt. Nachts donnert die Brandung.
Ich schlug die hintere Tür zu und sofort war uns klar: Jetzt ist es passiert. Obwohl es auf dem Campingplatz unnötig war, hatten wir die vorderen Türen mit Sicherheitsschloss von innen verriegelt und die hintere Tür lässt sich ja nicht mehr öffnen. Nun war die Kacke am Dampfen und Kurts Gehirn arbeitete auf Hochtouren: Wie wäre es, von der Garage aus die Schrauben des Bettmittelteils von unten zu lösen? Aber: Alles Werkzeug ist im Anhänger und der Schlüssel dafür im Womo. Ich bat Engländer, ob sie uns einen Schraubenzieher leihen könnten, denn der Rezeptionist fand seinen Koffer nicht, riss sich aber ein Bein aus, um uns zu helfen. Er zog noch einen Mechaniker heran, der Dauercamper auf dem Platz ist, aber kein Englisch verstand. Zu viert versuchen wir dies und das. Dem Mechaniker kam die rettende Idee. Alle waren erleichtert, die Portugiesen superfreundlich und kreativ. Das Drama dauerte zwei Stunden.
Die schnellste Möglichkeit in die Stadt zu kommen, war mit Taxi für 14 Euro direkt zur Kathedrale. Sofort nach dem Aussteigen wurde Kurt dusselig, er zitterte in meinen Armen und ich fürchtete schon, er sackt mir zusammen, aber sein Taumel legte sich nach fünf Minuten. Kurze Verschnaufpause auf dem Mäuerchen und weiter gings zum Bahnhof São Bento, dessen Vorhalle mit blau-weißen Fliesenbildern mit Motiven aus der Geschichte des 19. Jhs. errichtet wurde.
Danach bummelten wir zur Kathedrale, die wegen einer Hochzeit, deren Gäste mit PKWs den Platz davor füllten, unzugänglich war. Wie meist, war es ein merkwürdiger Stilmix von romanisch bis barock. Viel faszinierender waren die steilen, verwinkelten Gässchen, die von da oben aus erst zu überblicken und später zu durchsteigen waren. Der Tag war zwar bewölkt, aber zumindest trocken. Wir fanden die Börse und besorgten uns Eintrittskarten für die englische Führung anderthalb Stunden später, also blieb Zeit für eine Pause mit Eis.
Die Führung durch die Gemächer der Handelskammer dauert etwa 45 Minuten. Ein Saal ist prächtiger als der nächste. Der Palácio da Bolsa – so der lokale Name – wurde 1842 auf den Ruinen eines ehemaligen Franziskanerklosters errichtet. Porto war zur damaligen Zeit ein wichtiger Handelsplatz der Seefahrernation Portugal. Die ansässige Handelskammer erhielt den Bauplatz von Maria II., die zwei Jahre später abdankte, persönlich geschenkt. In den Räumen der Präsidenten hingen die Porträts, viel vorgetäuschtes Holzgetäfel aus Gips und ein Raum war ganz orientalisch verziert mit falschen, arabisch anmutenden aber unverständlichen Inschriften.
Ganz in der Nähe der Börse enterten wir einen Sightseeingbus und mit ihm fuhren wir bis zur Dunkelheit über die zwei Brücken von Eiffel bzw. seinem Schüler 1886 und durch das Viertel am anderen Ufer. Die Gassen bevölkerten sich mit Einkaufenden bzw. Touristen, die die Lokale aufsuchten. Die Runde wäre noch weiter gegangen, aber wir hatten genug, auch weil über Kopfhörer mehr Musik dudelte. Keine Infos über Land und Leute oder zur Geschichte, nur knapp zu einzelnen Gebäuden. Die Kapelle Almas gefiel uns sehr. Hier war die gesamte Fassade mit 15.947 blauäweißen Fliesen belegt, die anscheinend Geschichten erzählen, welche nirgends erklärt sind. Ebenso verziert ist die Igreja de Santo Ildefonso von 1739 in Barock. Die Fassadenfliesen sind dort von 1932.
Die neueren Viertel sind von zweifelhafter Erhaltung, viel Elend und Verfall steht neben Neubauten. Mit dem Taxi ging es wieder zurück für 18 Euro. Das Wetter hatte sich gehalten, erst ab 21 Uhr nieselte es ein bisschen, die Brandung war weniger laut.
Der Sonntagmorgen diente einem kurzen Ausflug 50 m zum Strand, bevor wir aufbrachen in Richtung einer möglichen Werkstatt für unsere Tür nahe Aveiro.















