{"id":1216,"date":"2023-04-21T19:08:23","date_gmt":"2023-04-21T17:08:23","guid":{"rendered":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/?p=1216"},"modified":"2023-07-10T14:02:57","modified_gmt":"2023-07-10T12:02:57","slug":"alexandria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/?p=1216","title":{"rendered":"9. Alexandria 1973"},"content":{"rendered":"<p>Ein Vormittag f\u00fchrte uns zusammen mit Frau Brorsen zum Markt am Bab el-Futuh. Dieser ganz spezielle Markt bietet Knoblauch und Zwiebeln an. In gro\u00dfen Haufen stehen sie zum Verkauf und der Geruch wirkt bet\u00e4ubend. Durch ein Labyrinth von Gassen suchten wir das Haus des Rektors der Al Ashar-Moschee (1698). Es war bescheidener eingerichtet als das Gayer Anderson, aber im Prinzip sehr \u00e4hnlich. Nach dem Mittagessen holte uns Adel ab und f\u00fchrte uns in den Zoo. Den W\u00e4rtern steckte er Bakschisch zu, damit ich die einzelnen Viecher f\u00fcttern durfte. Auf meine Bitte hin besuchten wir die Sphinx, die uns am ersten Tag durch die Lappen gegangen war. Bei der Gelegenheit schloss ich mich einer Neckermanngruppe in die Cheopspyramide an, durch Treppen und G\u00e4nge bis in die Sargkammer. W\u00e4re man mal allein, gruselte einen das Bewusstsein, wie viele Tonnen Stein \u00fcber einem lagern, aber G\u00e4nge und Kammern sind kahl und die Stimmen des st\u00e4ndigen Besucherstroms lenken ab. Zu F\u00fc\u00dfen der Sphinx ist alles aufgew\u00fchlt, in die unterirdischen Kammern kommt man nicht rein.<\/p>\n<p>Adel wollte uns Besonderheiten zeigen, aber er lie\u00df sich nicht dazu verleiten, uns ins Mokattamgebirge zu kutschieren (milit\u00e4risches Sperrgebiet). Dort soll es noch versteinerte W\u00e4lder geben. Stattdessen f\u00fchrte er uns ins Lederviertel, wo er fr\u00fcher als Streifenpolizist einmal Dienst tat. Dort traf er einen alten Bekannten, der uns eine Cola spendierte. Angeblich sei er Million\u00e4r, lief aber herum wie ein Mann der Mittelschicht. Er zeigte uns seinen Betrieb. Ein rechter Mief hing in der Luft. Seine \u201eFabrik\u201c bestand aus einem Raum, in dessen Boden in einer milchigen Br\u00fche schwamm, mehrere Steinbottiche eingelassen waren. Auf Holzplanken balancierte man von Bottich zu Bottich. In den Beh\u00e4ltern weichen die Felle in chemischen Laugen, damit sich die Haare abl\u00f6sen und gerben. Leder ist in \u00c4gypten sehr billig. Die G\u00e4rten nilabw\u00e4rts, die uns Adel zeigen wollte, hatte Milit\u00e4r mit Beschlag belegt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1217 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Zug-e1681377610423-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Zug-e1681377610423-300x195.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Zug-e1681377610423.jpg 661w\" sizes=\"auto, (max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1219 alignnone\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/autobus-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"338\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/autobus-300x195.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/autobus.jpg 502w\" sizes=\"auto, (max-width: 338px) 100vw, 338px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1115 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/oepnv-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/oepnv-193x300.jpg 193w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/oepnv-658x1024.jpg 658w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/oepnv.jpg 711w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt fuhr neben uns ein Zug, der von Menschen wimmelte wie von Ameisen. Dicht gedr\u00e4ngt sa\u00dfen sie auf den Puffern, der elektrischen Lok und auf den D\u00e4chern der Waggons. Die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel sind alle so \u00fcberbelegt. Manche Busse fahren mit Schlagseite, weil Trauben von Menschen an jeder greifbaren Leiste h\u00e4ngen. Mitten unter der Fahrt springen manche ab, so ist es f\u00fcr jeden Autofahrer, der hinter einem Bus f\u00e4hrt, eine F\u00fcgung Allahs, wenn ihm keiner vor die R\u00e4der f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Adel \u00fcberredete uns, mit ihm nach Alexandria zu kommen. Fr\u00fch 6 Uhr holte er uns ab. Die Stra\u00dfe war gut ausgebaut, bei jeder Ortsabzweigung stand ein Schild: <strong>F\u00fcr Ausl\u00e4nder Abbiegen verboten.<\/strong> Adel fuhr uns trotzdem kurz durch Tanta, damit wir auch seine Geburtsstadt sehen sollten. Ungef\u00e4hr gegen 10 Uhr erreichten wir das Mittelmeer und mit ihm die ersten Wolken seit unserer Abfahrt aus Europa. Da man uns gesagt hatte, Alexandria sei europ\u00e4ischer eingestellt, hatte ich es mal gewagt, ein Kleid anzuziehen. Es war aber auch merklich k\u00fchler. Mein Kleid erregte auch hier Aufsehen. Adel \u00fcbersetzte verschiedene Kommentare. Ein alter Mann betete zu Allah, dass er Mohamed nochmal schicke, damit er mich sehe. Wir besichtigten zun\u00e4chst die polnische Ausgrabung Kom el-Dikka: die Thermen, das Amphitheater, in dem gerade ein Filmteam besch\u00e4ftigt war. Anschlie\u00dfend besuchten wir Adels j\u00fcngste Schwester und a\u00dfen dort Crevetten, H\u00e4hnchen, Molokhia, Oliven und Creme Karamelle. Nachmittags war sein Schwager dran, Vizedirektor des Museums f\u00fcr moderne Kunst, ein \u00e4u\u00dferst gebildeter Mann. Er zeigte uns seine selbst gemalten Bilder, seine Sammlung an Drucken. Wir verabredeten ein Treffen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Nach einem Kinobesuch verfrachtete uns Adel in die Wohnung seiner Mutter, die gerade zur Kur war. Die Atmosph\u00e4re dort war eigentlich ersch\u00fctternd. Wie anscheinend \u00fcblich, waren die W\u00e4nde nur gekalkt, die R\u00e4ume d\u00fcrftig m\u00f6bliert, im Wohnzimmer z.B. Sessel mit zerrissenen Bez\u00fcgen, ein paar alte Fotos an den W\u00e4nden. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1223 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kat-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kat-210x300.jpg 210w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kat-718x1024.jpg 718w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kat-768x1095.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kat-1078x1536.jpg 1078w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kat.jpg 1361w\" sizes=\"auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/>Alles wirkte wie frisch nach einem Umzug, wenn noch kaum etwas eingerichtet ist. Es war aber Normalzustand. Adel harrte umsonst die ganze Nacht auf die Wirkung seiner eindeutigen Avancen. Abdels Heiratsantrag am n\u00e4chsten Tag lief ebenso ins Leere. Dennoch zeigte er uns das Antikenmuseum, das im Vergleich zum Cairoer Arch\u00e4ologischen Museum viel besser in Schuss war. Eine Stippvisite spendeten wir dem Goetheinstitut, wo Adel Deutsch lernt, und dem Museum f\u00fcr moderne Kunst, durch das sein Schwager f\u00fchrte. Zum Abschied schenkte er mir Hefte \u00fcber einheimische K\u00fcnstler.<\/p>\n<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1897 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/alex-300x177.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/alex-300x177.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/alex.jpg 679w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Das zuf\u00e4llig 1960 entdeckte Amphitheater wurde bis\u00a0 ins 7.Jh. n. Chr. benutzt.<\/h5>\n<p>Da ich am Vortag mit Entsetzen gemerkt hatte, dass meine Kamera den Film nicht transportiert hatte, fuhren wir schnell noch mal zu den Ausgrabungen Kom el Shuqafa, um wenigstens diese Bilder zu retten. Die Katakomben von Kom El Shoqafa besitzen eine Wendeltreppe, die h\u00e4ufig zum Transport verstorbener Leichen in der Mitte genutzt wurde. Sie f\u00fchrt hinunter zu den Gr\u00e4bern, die aus dem 2. bis zum 4. Jahrhundert stammen. Um 14 Uhr bestiegen wir den Zug nach Cairo, der uns mit Klimaanlage nonstop in zwei Stunden zur\u00fcckbrachte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1222 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1-227x300.jpg 227w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1-776x1024.jpg 776w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1-768x1014.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1-1164x1536.jpg 1164w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1-1552x2048.jpg 1552w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Guide-1.jpg 1561w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/>Den 4. April verbrachte ich das letzte Mal im Arch\u00e4ologischen Museum, und zwar ausschlie\u00dflich bei den wichtigsten St\u00fccken und den S\u00e4rgen. Deswegen hatte ich extra eine Taschenlampe mitgebracht. Welche Sch\u00e4tze! Und wie vergammelt und unbeachtet. Alle m\u00fcssen vorbei, wenn sie zu den Mumien wollen, aber kaum einer verweilt bei ihnen, denn ohne Taschenlampe ist faktisch nichts zu sehen. Den Rest des Tages verbrachten wir bei Frau Brorsen. Ein Besuch im DAI brachte nicht viel, weil der ma\u00dfgebliche Mann, Dr. Arnold, gerade nicht im Haus war. Ich wollte mich erkundigen, was ich tun m\u00fcsste, um an einer Ausgrabung teilnehmen zu k\u00f6nnen. Stattdessen bummelte ich unverrichteter Dinge durchs Botschaftsviertel Zamalek. Am Nachmittag ging es mit Zeichenzeug in die Al Ahsar-Moschee. Gerade hatte ich mich auf dem Boden niedergelassen, da kam schon ein Diener an. Ich m\u00fcsse da weg, weil die Gl\u00e4ubigen abgelenkt w\u00fcrden. Als Frau d\u00fcrfe ich nur am Rand sitzen. Er blieb dann die ganze Zeit bei mir und guckte mir \u00fcber die Schulter. Als ich fertig war, \u00fcberredete er mich zu einem Minarettbesuch. Ein wirklich lohnender Blick von oben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1125 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_5924-300x244.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_5924-300x244.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_5924-1024x832.jpg 1024w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_5924-768x624.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_5924-1536x1247.jpg 1536w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_5924-2048x1663.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>W\u00e4hrenddessen war Vater durch den Suq herumgeschlendert. Aus einem Juwelierladen war ein Verk\u00e4ufer herausgeschossen: \u201eKommen Sie herein! Ihre Madam ist doch gerade in der Moschee! Suchen Sie etwas f\u00fcr sie aus. Schauen Sie hier etc.\u201c Woher er sein Wissen hatte, haben wir nicht herausbekommen. Nachdem ich mit dem Zeichnen so weit war, gingen wir zu diesem Laden zur\u00fcck und der Besitzer kam auf seine Kosten. Er \u00fcberschlug sich beinahe: \u201eI like the face of your wife! Daughter? It\u2019s not possible! She is so beautiful, beautiful\u2026\u201c<\/p>\n<p>Ein ganz besonderes Abenteuer beinhaltete der Kamelmarkt [<em>1995 aus der Stadt 35 km weiter nw Cairos verlegt<\/em>]. Wir fuhren mit dem Taxi, weil Frau Brorsen vom ersten Besuch mit dem eigenen Auto \u00fcble Erinnerungen hatte. Damals war ihr ein Kind vors Auto gelaufen. Obwohl nichts Schwerwiegendes passiert war, verfolgte sie anschlie\u00dfend ein Lastwagen voll aufgebrachter Leute durch die halbe Stadt, bis sie ihn abh\u00e4ngen konnte. Eine eigenartige Stimmung herrschte in diesem Viertel. Durch Zufall hatten wir beobachtet, wie sich an einer Wasserstelle zwei Frauen zankten. Ein Mann sah, dass wir zuschauten und kam mit drohender Faust in Richtung Auto. Sogar unserem Taxifahrer wurde mulmig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-1123\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kamelmatkz-300x290.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kamelmatkz-300x290.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kamelmatkz.jpg 473w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1111 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kameltr-252x300.jpg\" alt=\"\" width=\"165\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kameltr-252x300.jpg 252w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kameltr.jpg 297w\" sizes=\"auto, (max-width: 165px) 100vw, 165px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1218 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kamelet-1-300x238.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kamelet-1-300x238.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/kamelet-1.jpg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/p>\n<p>Die Kamele hatten ein Bein hochgebunden. Trotzdem k\u00f6nnen sie auf drei Beinen eine derartige Geschwindigkeit entwickeln, dass wir aufpassen mussten, nicht \u00fcberrannt zu werden. Auch Esel, Maultiere, Schafe, Ziegen und diverses Zaumzeug wurde angeboten. Allm\u00e4hlich folgten uns zwei Soldaten. Unauff\u00e4llig hielten sie uns zudringliche Kinder vom Leib oder beantworteten unsere Fragen \u00fcber Preise etc. Neue Kamele hockten auf den Ladefl\u00e4chen der LKW, verkaufte wurden abtransportiert. Viel Betrieb war auf dem Platz. Als die Hitze unertr\u00e4glich wurde, suchten wir uns ein Taxi, was in der abgelegenen Gegend l\u00e4nger dauerte. Abends erfreute uns wieder ein Hauskonzert bei den Bekannten Frau Brorsens.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1221 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-205x300.jpg 205w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-700x1024.jpg 700w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-768x1124.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-1050x1536.jpg 1050w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-1400x2048.jpg 1400w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Katalog-scaled.jpg 1750w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><br \/>\n7. April: Besuch des Islamischen Museums, in dem man gut und gerne auch mehrere Tage zubringen kann. Inzwischen war Khaled aus Luxor zu einem Urlaub nach Cairo gekommen. Abends trabte er mit seinem Onkel an, der Maler ist, zwecks Besuchs einer Gem\u00e4ldeausstellung, die anderntags er\u00f6ffnet werden sollte. Auf seine Anregung hin suchten wir noch einen weiteren K\u00fcnstler auf, der seinen Beruf aufgegeben hatte, um mit seiner sechsk\u00f6pfigen Familie von minimaler staatlicher St\u00fctze und der Kunst zu leben. Trotzdem machte das Ehepaar einen ausgeglichenen Eindruck, die Wohnung allerdings war schauderhaft ungem\u00fctlich. H\u00f6hepunkt des Abends war das Klavierspiel des K\u00fcnstlers, zu dem seine Frau alte maurische Folklore aus der andalusischen Zeit sang. Ungemein melodisch und rhythmisch sogar f\u00fcr unsere Ohren.<br \/>\nAm 8. April 1973 sa\u00df ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Pferd. Frau Brorsen brachte uns zu einem kleinen Vorort nahe den Pyramiden. Wir bestiegen die Tiere, der kleine Nasser war unser F\u00fchrer. Zun\u00e4chst lie\u00df sich alles ganz gut an, aber am W\u00fcstenrand gab Nasser meinem Pferd die Peitsche und das Vieh raste los, mit mir als hilflosem Spielball. Das war Slapstick reif, Nasser machte zwar vor, was ich tun sollte, indem er kommandierte: \u201eUp &#8211; down, up \u2013 down\u201c aber es war, als sei alle Kraft aus meinen Muskeln gewichen. Beim Galopp war ich froh, mich \u00fcberhaupt oben halten zu k\u00f6nnen. Mein Vater ritt voraus. Als ich sah, wie seine Brille aus seiner Tasche rutschte, schrie ich. Sein Pferd blieb stehen.<br \/>\n\u00c4rgerlich rief er zur\u00fcck: \u201eWie soll ich den bl\u00f6den Gaul wieder zur\u00fcckbringen? Der will nicht wenden. Versuch dem F\u00fchrer zu sagen, ob er sie aufheben kann.\u201c<br \/>\nDas klappte. Frau Brorsen ritt in gekonnten Spr\u00fcngen weit weg durch die W\u00fcste. Mit Todesverachtung folgten wir ihr nach Sahara-City. Kurz vorher \u00e4nderte Vaters Reittier die Richtung. Trotz meiner eigenen Schmerzen musste ich \u00fcber seinen Anblick lachen. Sein Pferd galoppierte und galoppierte und er hilflos schreiend: \u201eDer l\u00e4uft woandershin. Wie soll ich den aufhalten?\u201c<br \/>\nNasser hatte alle M\u00fche ihn zur\u00fcckzuholen. V\u00f6llig durchgesch\u00fcttelt g\u00f6nnten wir uns in Sahara City eine Rast, die leider von zahllosen Fliegen beeintr\u00e4chtigt war. Unsere Pferde waren Schwei\u00df bedeckt. Ob sie unsere Zuckergabe \u00fcber die Beanspruchung hinwegtr\u00f6stete, bezweifle ich mal. Wenn ich gewusst h\u00e4tte, wie es weiterging, dann w\u00e4re ich nicht so locker aufgestiegen. Im Stall verlockte erstens die Futterkrippe und die Befreiung von dieser bl\u00f6den Last. Au\u00dfer ein paar Sekunden Trab zwischendurch, der ebenfalls eine Tortur war, bestand der R\u00fcckritt nur aus Galopp. Zum Gl\u00fcck bockte er nicht. Als wir einer gr\u00f6\u00dferen Reitergruppe aus Franzosen begegneten, hoffte ich, das Tier werde langsamer. Aber Sense. Mir war schlie\u00dflich alles egal. Meine Innereien waren durchgesch\u00fcttelt, krampfhaft klammerte ich mich beidh\u00e4ndig am Sattelknauf fest. Im Vorbeifliegen registrierte ich einen lebenden Skarab\u00e4us im Sand. Mir war danach den Boden zu k\u00fcssen, als ich mit zitternden Knien beim Stall festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen hatte. Das Pferd m\u00fcsste eigentlich f\u00fcr eine R\u00fccken-OP f\u00e4llig gewesen sein.<\/p>\n<p>Erst im Hotel checkte ich die Folgen der Strapaze: Die Innenseiten beider Oberschenkel zierten schwarze Bluterg\u00fcsse von ca. 10 cm Durchmesser, der Stei\u00df war dazu abgeschabt, obwohl ich auf Frau Brorsens Rat hin eine Binde als D\u00e4mpfer in die Unterhose geklemmt hatte. Ich war immer auf den hochgezogenen hinteren Rand des Sattels geknallt. Meine Mutter war entsetzt, als sie zuhause die schwarz unterlaufene R\u00fcckseite sah, die mir erst nach einer Woche erlaubte, ohne Schmerzen auf dem R\u00fccken zu liegen.<br \/>\nAm letzten Abend brachte uns Adel zum Flughafen. Z\u00fcgig verlief die Abfertigung, nur eine halbe Stunde sa\u00dfen wir zwischen Beduinen im Transitraum, dann war unsere Maschine schon bereit. Den Flug konnte ich diesmal genie\u00dfen: Die Maschine besa\u00df zwar keine Monitore, auf denen man die Flugroute h\u00e4tte verfolgen k\u00f6nnen, trotzdem identifizierten wir Oasen, Libyen, Kreta, Athen, Bulgarien. In Berlin-Sch\u00f6nefeld mussten wir lange auf die Koffer warten. Endlich brachte uns der Flughafenbus nach Westberlin. Wehm\u00fctig dachten wir an die lauen N\u00e4chte bei Sheikh Ali, die vollen Stra\u00dfen in Cairo und die aufgeschlossenen Menschen.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insgesamt verbrachte ich in diesem Museum bei f\u00fcnf Besuchen \u00fcber zw\u00f6lf Stunden. Hier ein Museumspraktikum!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1140,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1216","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aegypten1973"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1216"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1216\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1901,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1216\/revisions\/1901"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}