{"id":1192,"date":"2023-04-21T18:50:03","date_gmt":"2023-04-21T16:50:03","guid":{"rendered":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/?p=1192"},"modified":"2023-07-10T13:29:27","modified_gmt":"2023-07-10T11:29:27","slug":"una-tomba-per-me","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/?p=1192","title":{"rendered":"6. Una tomba per me 1973"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1198 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-194x300.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-194x300.jpg 194w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-661x1024.jpg 661w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-768x1190.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-991x1536.jpg 991w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-1321x2048.jpg 1321w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_568Tempelwaechter2-scaled.jpg 1652w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/>Beim Tee im Habu-Hotel verabredeten wir mit Sheikh Nagdi den n\u00e4chsten Morgen zum Besichtigen der verschlossenen K\u00f6nigsgr\u00e4ber. Er ist Chief Guardian und wandert jeden Tag \u00fcber den Dra Abu el-Naga, um s\u00e4mtliche Gr\u00e4ber zu kontrollieren. Ein sehr netter, verschmitzter Mann, Anfang 40 mit sechs Kindern, zu denen er noch welche m\u00f6chte. Bei Sheikh Ali erwartete uns schon der junge Mann mit seinem Briefwunsch. Deshalb sollten wir zu ihm nach Hause kommen. Es war mittlerweile viel zu dunkel zum Schreiben, aber es half keine Ausrede. Bei ihm begr\u00fc\u00dfte uns die Mutter, dann gab es Tee, dazu bei einer \u00d6llampe Fotos und Postkarten \u2013 wie festzustellen war, von denselben Touristen wie bei der anderen Familie. Er schenkte mir ca. vierzehn Miniskarab\u00e4en \u201ef\u00fcr meine Freunde\u201c. Wenn ich das n\u00e4chste Mal komme, m\u00f6chte er daf\u00fcr vier Meter dunklen Stoff f\u00fcr eine Galabija. Wieder zur\u00fcck, sa\u00dfen wir noch eine Weile gem\u00fctlich im Hofe vor unserer Unterkunft und hielten einen Plausch mit Khaled und dem Inspector of Middle Egypt, der im Schlafanzug nochmal rauskam. Beim leisen Rauschen der Palmen sprachen wir \u00fcber Hitler und den Zweiten Weltkrieg, Pablo Picasso und den Mondschein bis halb 1 Uhr.<\/p>\n<p>Am darauffolgenden Tag hatten wir viel Pech. Der Fahrradschl\u00fcssel war verschwunden! Um halb 9 hatten wir uns mit Sheikh Nagdi verabredet, um 10 kam der Handwerker, der das Schloss aufs\u00e4gte. Alle hatten die Ruhe weg, nur wir rotierten herum. Die Fahrt ins Tal der K\u00f6nige h\u00e4tte sich nicht mehr gelohnt, weil wir in die gr\u00f6\u00dfte Hitze gekommen w\u00e4ren. So beschlossen wir, stattdessen die restlichen Gr\u00e4ber im Tal der K\u00f6niginnen aufzusuchen. Im Schwei\u00dfe unseres Angesichts absolvierten wir: Titi, Amon-her-chopeschef, Seth-her-schef. Man verwendet hier wie bei den Noblengr\u00e4bern eine spezielle Technik der Beleuchtung. Vor das Grab lehnt man an einen Stein eine Platte mit Alufolie. Damit lenkt man den Sonnenstrahl ins Grab. Dort benutzt der F\u00fchrer einen Spiegel und kann somit beliebig die R\u00e4ume heller als mit einer Taschenlampe ausleuchten. Den Nachmittag fotografierte ich in Medinet Habu und lie\u00df mir Zeit in jeder Ecke. Auf dem zweiten Pylon traf ich Khaled an, der einen Spaziergang vorschlug, atemberaubend an der Felsenkante entlang, die oberhalb von Hatschepsut verl\u00e4uft. Wir begegneten einem Wolf. In der Ferne sah man Zuckerrohrfelder brennen, am anderen Ufer leuchtete Karnak und im Dorf heulten die Hunde, was sie immer tun, wenn ein Wolf in der N\u00e4he ist. Die Hunde sind ungez\u00e4hlt und ungez\u00e4hmt. Abends gehen alle nur mit einem Stock bewaffnet raus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1187 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/hatschep2s-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"391\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/hatschep2s-300x221.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/hatschep2s-768x566.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/hatschep2s.jpg 897w\" sizes=\"auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><\/p>\n<p><strong>Blick von der Felskante auf den Hatschepsuttempel und den Mentuhoteptempel<\/strong><\/p>\n<p>Am 21. M\u00e4rz holten wir den zweiten Besuch im Tal der K\u00f6nige nach. Diesmal nahmen wir die Fahrr\u00e4der, was durch stete Steigung und Gegenwind recht anstrengend war. Dort eingetroffen, mussten wir zun\u00e4chst eine Weile beim W\u00e4chter des Tales ausruhen. Wir radebrechten ein bisschen auf Arabisch und Englisch. Durch Sheikh Nagdi wusste er, dass uns alle Gr\u00e4ber zug\u00e4nglich gemacht werden sollten. Bei steigender Hitze absolvierten wir Ramses VI., Ramses I., Sethos I., Amenophis III. und Thutmosis III. F\u00fcr meinen Begriff war das Sethosgrab im Bib\u00e2n<em> el<\/em>&#8211;<em>Mol\u00fbk<\/em> das sch\u00f6nste. Der Hintergrund war in warmem Gelb ausgemalt und mit einer prachtvollen gelb\/blauen Decke war die Sargkammer \u00fcberw\u00f6lbt. Thutmosis war etwas m\u00fchsam zu erreichen. Steile freie Treppen f\u00fchrten eine enge Schlucht hinauf und schlie\u00dflich tief in den Berg hinab. In sehr schw\u00fclen, stickigen Gew\u00f6lben waren die einfachen Strichzeichnungen angebracht. Am Schluss besuchten wir noch zwei unbedeutendere Gr\u00e4ber, wo es mir gelang, am Eingang einige Fotos zu schie\u00dfen (ich hatte kein Blitzlicht). Bevor wir aufbrachen, sa\u00dfen wir noch im W\u00e4chterh\u00e4uschen, lie\u00dfen die Neckermanngruppen drau\u00dfen vorbeiziehen und der W\u00e4chter schenkte mir eine kleine Horusfigur. Die Abfahrt war herrlich, wir lie\u00dfen die R\u00e4der laufen. Zur Mittagszeit besorgte ich Papier bei Khaled f\u00fcr Dirk, dem Ami, weil er seinen Aufenthalt in Luxor vom vorr\u00e4tigen Papier abh\u00e4ngig machte. Dirk malte am laufenden Band ganz h\u00fcbsche Aquarelle. Am Nachmittag radelten wir zum Sethostempel nach Neu-Qurna. Dort trafen wir deutsche Arch\u00e4ologen, die mit Scherbenzeichnen besch\u00e4ftigt waren. Eben gerade hatten sie ihre Grabung im Bereich des Pylons beendet.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg hatte ich einen Platten. Zuf\u00e4llig kam Mohamed, der Nubier, vorbei, nahm mich auf seinen Gep\u00e4cktr\u00e4ger und brachte uns zu sich nach Hause, wo er den Reifen flickte, w\u00e4hrend ich den franz\u00f6sischen Brief schrieb. Aus Dankbarkeit schenkte er uns Ringe. Doch sollte das Ganze nicht ohne Hintergedanken verlaufen sein, was sich am n\u00e4chsten Tag herausstellte. Wir hatten zur Besichtigung der Privatgr\u00e4ber die beiden Amerikaner mitgenommen, da sie vorher den Weg verfehlt hatten. Wir besuchten zusammen die wesentlichsten Gr\u00e4ber: (51) Userhet, (52) Nacht, (55) Ramose, (%&amp;) Userhet, (69) Menna, (78) Haremhab, (96) Sennefer, (100) Rechmire, (81) Ineni. Die meisten Gr\u00e4ber haben \u00e4hnlichen Grundriss und die Darstellungen zeigen Szenen aus dem Alltag des Grabbesitzers. Nacht und Ramose gefielen mir am besten. Nachdem ich mit Dirk auf dem Inspektorat gewesen war, begegneten wir Mohamed, dem Briefeschreiber. Unbedingt wollte er mich nach Der-el-Medina f\u00fchren, um mir Felszeichnungen zu zeigen. Klar wies ich ihn ab, aber er lie\u00df nicht locker. Als ich mich verabschieden wollte, lie\u00df er meine Hand nicht mehr los und stammelte irgendwelche Liebeserkl\u00e4rungen. W\u00e4hrend wir so dastanden, hatte sich Dirk verkr\u00fcmelt, der \u00f6sterreichische Grabungswagen fuhr vorbei und Sheikh Alis K\u00fcchenjunge brachte das neue Suppenhuhn. Endlich kam ich los.<\/p>\n<p>Der Nachmittag f\u00fchrte uns, nach einem Wechsel in ein anderes Zimmer, nach Karnak. An der Anlegestelle lud uns Abdel Rahim auf den sp\u00e4ten Abend zu sich nach Hause ein. Diesmal bestaunten wir in aller Ruhe den riesigen Tempelkomplex. Die Zeit bis 18 Uhr war dick ausgef\u00fcllt. Als das Spektakel schlie\u00dflich anfing, erschien wieder Mustafa, der mich dann pers\u00f6nlich durchgeleitete. Vater musste nochmal ins Reiseb\u00fcro wegen unseres Fluges nach Assuan. Leider war die Schau in Deutsch fast unertr\u00e4glich pathetisch. Den ersten lyrischen Teil hatte ich auf Englisch schlecht verstanden, danach fl\u00fcchtete ich. Wieder am Westufer begegnete uns schon wieder Mohamed, der zum Gl\u00fcck nicht gleich das Messer z\u00fcckte, obwohl ich ihn absichtlich versetzt hatte. Er begleitete uns zu Abdel Rahim entlang der Steiluferkante bis zu dessen unbeleuchtetem Haus, wo wir beinahe \u00fcber die Gro\u00dfmutter gestolpert w\u00e4ren. Drinnen sa\u00dfen wir wieder auf einer Holzbank in einem wei\u00df get\u00fcnchten Raum, den ein paar blaustichige Illustriertenbilder schm\u00fcckten. Die Freude war gro\u00df, als wir anregten, dass doch auch die Frau beim Tee dabei sein sollte. Sie kam mit Mutter, sprach aber nur Arabisch. Wir fragten Abdel, ob er Kinder habe. Ja, sagte er, zwei. F\u00fcr eines deutete er die Gr\u00f6\u00dfe an, das andere sei noch im Bauch. In die Dunkelheit hinein verabschiedeten wir uns und gingen einen ungef\u00e4hrlicheren Weg. Da Vaters Fahrrad einen Platten hatte, den Abdel flicken wollte, heuerten wir ein Taxi an, das uns in wenigen Minuten nach Hause brachte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1238 alignleft\" src=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_2230-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"442\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_2230-300x169.jpg 300w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_2230-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_2230-768x432.jpg 768w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_2230-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_2230-2048x1151.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/p>\n<p><strong>Qurna<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen war eine d\u00e4nische Sozialarbeitergruppe eingetroffen, mit denen wir uns gut verstanden. Da sie sehr unbeholfen waren, machten wir sie mit einigen Einheimischen bekannt. Sie waren weniger der Kunst wegen gekommen, sondern wollten Land und Leute studieren.<\/p>\n<p>Am letzten Tag in Luxor brachte Abdel das geflickte Fahrrad und einen Brief an seinen Bruder in Cairo. Zusammen tranken wir Tee, man hat ja Zeit. Auch der Mann aus dem Grab kam dazu. Der Staat hat vielen Fellachen Sozialwohnungen gebaut, aber sie bleiben lieber in den Gr\u00e4bern, weil sie im Winter warm und im Sommer k\u00fchl sind. Was unser Bekannter arbeitete, haben wir nie herausbekommen. Wenn wir danach fragten, antwortete er nur in Witzen. \u00dcberall, wo was los war oder wo gr\u00f6\u00dfere Menschenansammlungen waren, traf man ihn garantiert. Am Nachmittag kam Khaled und wir unternahmen einen Spaziergang in die W\u00fcste mit Halt im Ramesseum-Rasthaus, das der Vater des Grabbewohners anscheinend gepachtet hat. Fr\u00fch mussten wir an diesem Abend ins Bett, da wir anderntags um halb 7 von Sheikh Ali aufbrechen mussten. Sheikh Ali meinte mit seiner rauchigen Stimme: Come again! Bei Boulos lieferten wir die Fahrr\u00e4der ab und der Flughafenbus brachte uns zum Airport, vorbei an Schulen, auf denen die Sch\u00fcler zum Appell standen, durch Palmenhaine mit Milit\u00e4rzelten. Nach Empfang der Bordkarten liefen wir alle zum Flugzeug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch stehen H\u00e4user auf Gr\u00e4bern und \u00fcber der Sphingenallee zwischen Luxor und Karnak. Die sollen alle noch abgerissen werden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1193,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aegypten1973"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1192"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1892,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1192\/revisions\/1892"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1193"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rehbaum.creaticz.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}